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Stille Streichung

Die Ankündigung einer Lockerung des Rauchverbots in NRW ist aus dem Wahlprogramm der CDU gestrichen worden. Die Mitglieder wollten es so. Doch bekanntgegeben wurde das augenscheinlich nicht offiziell. Wir haben uns deshalb mit der Parteispitze nochmals in Verbindung gesetzt.

18.04.2017  Die CDU in Nordrhein-Westfalen strich auf ihrem Landesparteitag am 1. April den Passus über die geplante Lockerung des nordrhein-westfälischen Nichtraucherschutzes in der Gastronomie (unser Artikel dazu mit unserem Schreiben an die MdL von CDU und FDP). In einem persönlichen Brief unterrichtet uns der Landesvorsitzende Armin Laschet davon: "Die Basis der CDU Nordrhein-Westfalen hat klar entschieden: Es wird keine Lockerung des Rauchverbots geben."

So weit, so gut. Jedoch wurde diese, der Presse Ende März angekündigte, Streichung nach dem Parteitag offensichtlich nicht mehr kommuniziert. Wie sollte sonst die RP online mit heutigem Datun in einem Artikel Folgendes schreiben:

"Doch CDU und FDP haben mit Blick auf die Landtagswahl angekündigt, das Verbot zu entschärfen. Eine entsprechende Absichtserklärung steht in den Wahlprogrammen beider Parteien. " (Quelle: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/leverkusen/rauchen-in-kneipen-bald-wieder-erlaubt-aid-1.6761522 - Bildschirmfoto von heute)

Abgesehen davon, dass sich die beiden Autoren des Artikels bei Beachtung journalistischer Sorgfaltspflicht das aktuelle Wahlprogramm der CDU hätten ansehen müssen und dabei festgestellt hätten, dass diese Absichtserklärung seitens der CDU nicht mehr vorhanden ist, scheint die Partei selbst dieses Ergebnis des Landesparteitags nicht mehr kommuniziert zu haben. Dass die Streichung tatsächlich vorgenommen wurde, ist eine wichtige Nachricht an die Wähler. Darüber hinaus ist es aus unserer Sicht schade, dass sich die Partei nicht dazu durchringen konnte, ein klares Bekenntnis zum strikten Nichtraucherschutz laut Gesetz in ihr Wahlprogramm aufzunehmen.

Dieses klare Bekenntnis findet sich allerdings im eingangs erwähnten Brief des Landesvorsitzenden Armin Laschet an Pro Rauchfrei. In dieser Form sollte auch der Presse mitgeteilt werden, dass die Mehrzahl der nordrhein-westfälischen CDU-Mitglieder das aktuelle Nichtraucherschutzgesetz befürwortet und die Parteispitze dieses Votum akzeptiert und umgesetzt hat.

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Größere Anstrengungen gegen die Tabakepidemie notwendig

Zahlen zum Tabakkonsum weltweit und in Deutschland

09.04.2017  Vor einigen Tagen wurde eine systematische Analyse der sog. Global Burden of Disease Study 2015 veröffentlicht. Der Volltext ist verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)30819-X. Ausgewertet wurden 2818 Datenquellen, die Ergebnisse zum Raucheranteil für 195 Länder und nach Geschlecht, Altersgruppe sowie  Jahr zwischen 1990 und 2015 lieferten. Die angegebenen Werte sind Durchschnittswerte aus allen Ergebnissen.

Weltweit raucht derzeit etwa eine Milliarde Menschen. Zwar hat der Raucheranteil der Weltbevölkerung abgenommen, aufgrund des Bevölkerungswachstums aber ergibt sich trotzdem eine Steigerung der absoluten Raucherzahlen um 7 %. In Deutschland verringerte sich der Raucheranteil zwischen 1990 und 2015 bei weitem nicht so stark wie im weltweiten Durchschnitt (siehe Tabelle).

Deutschland belegt Platz 9 unter  den Top Ten der Welt bei den absoluten Raucherzahlen: 16,3 Mio. Menschen rauchen hierzulande. Von der Bevölkerungszahl her liegt Deutschland erst auf Platz 17 in der Welt.

In Deutschland rauchen etwa 25,2 % der Männer und 19,4 % der Frauen. Der Unterschied im Rauchverhalten der Geschlechter ist damit weit geringer als im weltweiten Schnitt (25,0 % der Männer und 5,4 % der Frauen).

In Deutschland stirbt jeder 7. Einwohner und damit mehr als jeder zweite Raucher am Rauchen. Auch das ist weit über dem Welt-Durchschnitt (knapp jeder 10. Todesfall ist weltweit aufs Rauchen zurückzuführen).

In China rauchen insgesamt etwas unter 300 Mio. Menschen. Damit hat dieses Land die meisten Raucher der Welt. Hätte Deutschland so viele Einwohner wie China, würden bei unveränderter Raucherquote 345,5 Millionen Menschen rauchen.   

Diese Zahlen und die Tatsache, dass die Tabakprävention in Deutschland so einen geringen Stellenwert besitzt, liefern mehr als gute Gründe, gegen die todbringende Tabakindustrie und all ihre Interessenvertreter anzukämpfen. 

Tabelle: Die Top-Ten-Rauchernationen der Welt, gesamte Tabelle siehe Quelle: http://thelancet.com/action/showFullTableImage?tableId=tbl2&pii=S014067361730819X.

Top-Ten-Rauchernationen der Welt

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Pro Rauchfrei tritt für Beibehaltung des strikten Nichtraucherschutzes in NRW ein

"Seien Sie vielmehr stolz, dass Nordrhein-Westfalen seit vier Jahren zu den Vorreitern innerhalb der deutschen Bundesländer gehört"

29.03.2017  Im Wahlprogramm der nordrhein-westfälischen CDU findet sich die Forderung, das Nichtraucherschutzgesetz des Bundeslandes wieder lockern zu wollen. Inzwischen hat man davon Abstand genommen: Die Antragskommission wird dem Landesparteitag am 1. April die Streichung des Passus vorschlagen. Pro Rauchfrei hat den NRW-Landtagsabgeordneten und Wahlkandidaten folgende E-Mail geschrieben, um die Entscheidungsfindung zu unterstützen: