Pressemeldungen

Bleibt rauchfrei: Die neue ARD/rbb Talkshow „Hier spricht Berlin"

rbb lässt nach Abmahnung von Pro Rauchfrei nicht wie geplant rauchen

25.09.2019   Für große Aufmerksamkeit in der Presse sorgte kürzlich eine Ankündigung des rbb, im neuen Talkshowformat „Hier spricht Berlin" dürften die Gäste rauchen, "wenn sie sich trauen". Pro Rauchfrei hatte dies Die ekligste Mutprobe der Welt" genannt und eine gerichtliche Prüfung angekündigt, falls Zuschauer bei der Aufzeichnung anwesend sein sollten. Denn in diesem Fall würde der Sender eindeutig gegen das Nichtraucherschutzgesetz Berlin verstoßen. Nach den gesetzlichen Vorgaben ist nämlich das Tabakrauchen in Kultur- und Freizeiteinrichtungen grundsätzlich verboten. Hierunter zählen nicht nur Kinos und Theater, sondern auch öffentlichzugängliche TV-Studios.

Sobald die Anwesenheit von Zuschauern feststand, war Eile geboten, denn Sendetermin für „Hier spricht Berlin" ist bereits der 1. Oktober. Wegen drohenden Verstoßes gegen Vorgaben des Berliner Nichtraucherschutzgesetzes sandte Pro Rauchfrei daher am 19. September eine Abmahnung an die rbb-Intendantin. Gefordert wird darin die Abgabe einer verbindlichen Erklärung, das Rauchen bei der Aufzeichnung der Sendung weder Gästen noch Moderatoren oder Zuschauern zu erlauben. Des Weiteren sollten die Ankündigungen zur Sendung auf der Homepage des Berliner Senders sowie auf der ARD-Seite in diesem Sinne geändert werden. Heute, am Ende der gesetzten Frist, sicherte das rbb-Justitiariat gegenüber Pro Rauchfrei e.V. mittels Fax verbindlich zu, dass der rbb „während der öffentlichen Aufzeichnung der geplanten rbb-Talkshow Hier spricht Berlin' weder Moderatoren, noch Gästen und/oder Zuschauern das Rauchen gestatten wird".
 
Die Ankündigung auf den Webseiten von rbb und ARD, dass ausdrücklich nicht in der Talkshow geraucht werden dürfe, steht noch aus. Wir erwarten die Erfüllung auch dieser Bedingung. „Damit entgeht der rbb vorerst der gerichtlichen Prüfung seines Sendekonzepts und sichert aus unserer Sicht die Einhaltung der geltenden Rechtslage zu", freut sich Stephan Weinberger, stellvertretender Vorsitzender von Pro Rauchfrei, dem Verbraucherschutzverband Nichtrauchen: „Während zahlreiche Organisationen die tägliche Aufklärung und Beratung in Sachen Rauchen vorantreiben, ist es unerklärlich, wie man bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, dem ein solcher Aufklärungsauftrag sogar gesetzlich zugewiesen ist, auf die Idee kommt, das Rauchen in einer Talkshow wieder als Mutprobe zu stilisieren. Es wird höchste Zeit, dass die Sender hierzu deutlich mehr Feingefühl entwickeln und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst werden." so Weinberger. Ansonsten müsste man darüber nachdenken, den rbb in Rauchfunk Berlin-Brandenburg umbenennen.

Die ekligste Mutprobe der Welt

Pro Rauchfrei kündigt Widerstand an

09.09.2019   Von Privatsendern kennen wir alle Formate des ungesunden Menschenverstandes: Im Urwald alles mögliche Getier (fr)essen, Kuppelshows mit Entlarven der Persönlichkeit oder ganz nackt auf einer Südseeinsel. Bei den werbefinanzierten Privatsendern zahlt die Zeche der Geschmacklosigkeit die Industrie. Der Reiz des Ekelfaktors beim Zuschauer ist mittlerweile weitgehend dahin.

Anders, wenn diese Formate nun auch das öffentliche Fernsehen entern. ARD und ZDF finanzieren sich durch Zwangsgebühren.

Denn nun reiten der Marlboro-Man, das Camel-Dromedar und deren Freunde im Auftrag ihrer Tabakbosse eine neue Attacke auf die Schocktoleranz des Publikums bei den Öffentlichen: In der Talkshow „Hier spricht Berlin" soll getrunken und geraucht werden dürfen, „wenn die Gäste sich trauen". Produziert wird dieses Qualm-Spektakel natürlich vom RBB, dem Sender aus Deutschlands verraucht-vermüllter Hauptstadt.

Wird RBB-Intendanten Patricia Schlesinger dieses Konzept im Sinne der Tabak- und Alkoholindustrie genauso wie ihr ZDF-Kollege Thomas Bellut in 2012 als "künstlerisches Stilmittel“ verteidigen? Damals hatte Pro Rauchfrei wegen „Roche & Böhmermann“ und „Stuckrad Late Night“ Beschwerde beim Ordnungsamt Berlin wegen Verstoßes gegen das Nichtraucherschutzgesetz oder die Arbeitsstättenverordnung eingelegt.

„In einem abgelegenen Kabuff auf dem RBB-Gelände können sich die RBB-Leute gern zur ekligsten Mutprobe der Welt versammeln und am besten gleich nackt, denn gute Manieren sind schon lange im TV nicht mehr gefragt", meint Siegfried Ermer, Pressesprecher von Pro Rauchfrei e.V.: „Aber in einer Sendung öffentlich rauchen zu lassen, ist unverblümte Werbung für Tabakkonsum. Und das, obwohl uns gerade wieder die WHO zu Recht sträfliche Laxheit in der Tabakkontrolle vorwirft."

Man werde sehen, ob es sich ein aus Zwangsgebühren finanzierter öffentlich-rechtlicher Sender mit Bildungs- und Jugendschutzauftrag leisten könne, öffentlich für den Tabakkonsum zu werben.

Warnhinweise auf Zigarettenpackungen

Dürfen Warnhinweise durch Automaten verdeckt werden? Oberlandesgericht München verhandelt über Berufung von Pro Rauchfrei e.V.

22.07.2019  Im Juli letzten Jahres ist Pro Rauchfrei e.V. mit seiner Klage gegen einen Betreiber zweier Münchner EDEKA-Märkte wegen Verdeckens von Warnhinweisen auf Tabakprodukten durch Automaten vor dem Landgericht München I gescheitert. Darüber wurde bundesweit berichtet. Nun kommt es am Donnerstag, 25.07.2019, zur Berufungsverhandlung.

In dem Verfahren verfolgt Pro Rauchfrei e.V. sein Ziel weiter, die Sichtbarkeit der gesetzlichen Warmhinweise an der Verkaufsstätte gemäß den gesetzlichen Vorschriften sicherzustellen.

Es ist bedauerlich, dass erst Pro Rauchfrei e.V. für den Vollzug der gesetzlichen Vorschriften eintreten muss, die Behörden hingegen offene Absprachen mit der Industrie treffen, um damit die eigenen Vorgaben wieder zu entschärfen („Ein Aufkleber am Automaten ist ausreichend“).

Verbandspolitisch handelt es sich bei dem Musterverfahren jedoch nur um ein Zwischenziel, denn Pro Rauchfrei e.V. will langfristig gesehen sicherstellen, dass Tabakwaren in der Öffentlichkeit für Minderjährige möglichst unsichtbar und nicht verfügbar werden. Auch Tabakautomaten auf der Straße stehen nach wie vor im Fokus seiner Arbeit.

Verschreibungspflichtige Medikamente mit ihren Nebenwirkungen, die immerhin heilsam wirken (sollten), dürfen nur in Apotheken gegen Rezept abgegeben werden. Tabakwaren hingegen, die nur schädlich und in keiner Weise gesundheitsfördernd sind, gehören in lizenzierte Fachgeschäfte oder mindestens in abgetrennte Verkaufsbereiche, wo Minderjährige keinen Zutritt haben dürfen.

TEILNAHMEINFORMATION FÜR DIE PRESSE

Die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München ist öffentlich.

Datum: Donnerstag, 25.07.2019

Verhandlungsbeginn: 10:30 Uhr

Sitzungssaal E.06, EG

Anschrift : Prielmayerstraße 5, 80335 München 

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