FAQ Tabakpolitik

Einwände gegen eine wirksame Tabakpolitik und ihre Widerlegung

1. „Harm reduction“

Die Tabaklobby fordert, dass E-Zigaretten bei der Tabakregulierung privilegiert werden. Diese würden Rauchern bei der Tabakentwöhnung helfen. Sie enthielten weniger Schadstoffe als herkömmliche Zigaretten. Ist das überzeugend?

Nein, das Harm-Reduction-Narrativ der Tabaklobby überzeugt nicht. 

Die Tabakindustrie verfolgt mit E-Zigaretten erkennbar das Ziel, neue, junge Kunden zu gewinnen. E-Zigaretten werden mit Bonbonaromen, bunter Aufmachung und niedrigen Preisen gezielt als Lifestyleprodukte an Jugendliche vermarktet. Damit werden die Betroffenen in die Nikotinabhängigkeit geführt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen zukünftig zusätzlich zu den E-Zigaretten auch herkömmliche Zigaretten konsumieren. Das ist das genaue Gegenteil von „harm reduction“, das ist „harm increase“.

Die Unternehmen der Tabakindustrie sind naturgemäß gewinnorientiert und können daher kein Interesse daran haben, mit E-Zigaretten den Markt für herkömmliche Zigaretten abzuschaffen. Unternehmen aus der Branche kündigen zwar seit Jahrzehnten immer wieder öffentlichkeitswirksam an, das Geschäft mit herkömmlichen Zigaretten beenden zu wollen. Sie nennen jedoch wohlweislich nie ein konkretes Datum dafür. Die Tabakindustrie verkauft weiterhin ihre herkömmlichen Zigaretten und schafft damit fortwährend das Problem, das sie vorgeblich mit E-Zigaretten lösen will. Gleichzeitig werden mit E-Zigaretten neue Nikotinabhängigkeiten geschaffen, die das Geschäft mit herkömmlichen Zigaretten zusätzlich stärken. Dieses Geschäftsmodell der Politik auch noch als „harm reduction“ zu verkaufen, fügt sich nahtlos in die Tradition der Tabaklobby ein.

Zwar gibt es auch Fälle von Rauchern herkömmlicher Zigaretten, die auf E-Zigaretten umsteigen. Ob und inwieweit sie damit ihre Schadstoffbelastung reduzieren, ist jedoch mit vielen Unsicherheiten behaftet. Zwar liegen die im Tabakrauch enthaltenen Schadstoffe im E-Zigaretten-Aerosol zumeist in deutlich geringeren Mengen vor. Einzelne Substanzen können aber auch ähnlich hohe oder sogar deutlich höhere Konzentrationen erreichen, insbesondere Schwermetalle. Möglicherweise finden sich in den E-Zigaretten-Aerosolen zudem ganz neue Schadstoffe. Langzeitstudien stehen noch aus. Die Politik sollte daher bei E-Zigaretten nicht denselben Fehler machen wie bei Tabak: mit der Regulierung zu warten, bis solche Studien vorliegen. Es steht fest, dass E-Zigaretten in erheblichem Maß Schadstoffe und Feinstaub freisetzen. Sie sind daher in die Regulierung einzubeziehen.

Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland sowie die WHO sprechen sich gegen eine generelle Empfehlung von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung aus.

Stattdessen werden Maßnahmen zur Tabakentwöhnung empfohlen, deren Wirksamkeit als wissenschaftlich erwiesen gilt. Dazu zählen neben verhaltenstherapeutischen Maßnahmen auch eine medikamentöse Therapie mit Nikotinersatzprodukten (Nikotinkaugummi, Nikotinnasenspray, Nikotinpflaster) und Vareniclin.

2. Schwarzmarkt und Tabaksteuer

a) Die Tabaklobby möchte den Fokus der Politik auf den Schwarzmarkt richten. Dort gebe es unsichere und verunreinigte Produkte. Es gelte daher, den Schwarzmarkt zu bekämpfen und nicht den legalen Markt stärker zu regulieren. Ist das überzeugend?

Nein. Es ist zwar wichtig, den Schwarzmarkt zu bekämpfen. Dafür gibt es insbesondere mit dem Rückverfolgungssystem für Tabakprodukte auch bereits etablierte Instrumente, die mit Erfolg angewendet werden. Bei Bedarf muss nachgeschärft werden.

Das darf jedoch nicht den Blick dafür verstellen, dass der legale Markt für Tabakprodukte das weitaus größere Problem ist und viel strikter reguliert werden muss. In Deutschland sterben jährlich 131.000 Menschen an den Folgen des Rauchens und Passivrauchens. Das entspricht einer Großstadt. Rauchen verursacht zudem jährlich volkswirtschaftliche Kosten von mehr als 97 Milliarden Euro. Das sind die Folgen des legalen Marktes. Der Fokus der Politik muss darauf gerichtet sein, dies zu ändern.

Die Schäden, die durch unsichere oder verunreinigte Produkte auf dem Schwarzmarkt verursacht werden, dürften demgegenüber sehr gering sein. Selbst nach den Zahlen einer KPMG-Studie im Auftrag der Tabakindustrie liegt der Schwarzmarktanteil bei Zigaretten bei lediglich 2,4%.

b) Führen Tabaksteuererhöhungen und andere regulatorische Maßnahmen zwangsläufig zu einem wachsenden Schwarzmarkt?

Nein. Tabaksteuererhöhungen und andere regulatorische Maßnahmen mögen zwar den Anreiz für illegalen Handel erhöhen. Ob der Schwarzmarkt tatsächlich wächst, hängt aber von weiteren Faktoren ab.

Relevant ist hier zum einen, wie hoch potenzielle Täter das Risiko einschätzen, für illegale Aktivitäten bestraft zu werden. Eine effektive Strafverfolgung kann den Schwarzmarkt effektiv eindämmen.

Gleichzeitig kann eine umfassende Tabakkontrollstrategie dazu führen, dass sowohl der legale als auch der illegale Markt für Tabakprodukte schrumpfen. Ein Beispiel dafür ist Großbritannien: In Großbritannien stieg der inflationsbereinigte Preis für Zigaretten aufgrund regelmäßiger Tabaksteuererhöhungen zwischen 2001 und 2016 um 63%. Gleichzeitig ging der Schwarzmarkt um über 70% zurück und die Raucherquote sank von 35% auf 21%. Dies ist auf eine umfassende Tabakkontrollstrategie zurückzuführen, die Maßnahmen wie ein umfassendes Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, ein Zigarettenautomatenverbot, Beschränkungen des Verkaufs von Tabakwaren in Geschäften und groß angelegte Informationskampagnen beinhaltet.

c) Ist es nicht unfair, die Raucher über eine Erhöhung der Tabaksteuer stärker zur Finanzierung des Gesundheitswesens heranzuziehen, während anderes riskantes Verhalten, wie Skifahren, unberücksichtigt bleibt?

Nein. Wir brauchen in der Politik Pragmatismus. Es ist nicht möglich, jedes risikoerhöhende Verhalten bei der Finanzierung des Gesundheitswesens abzubilden. Es lässt sich keine vollkommene Gerechtigkeit erreichen.

Wir sollten aber dafür sorgen, dass wir mehr Gerechtigkeit erzielen. Dafür sollten wir pragmatisch mit dem größten vermeidbaren Gesundheitsrisiko anfangen: Tabak.

Dort stehen Tabaksteuereinnahmen von rund 16 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Kosten von mehr als 97 Milliarden Euro pro Jahr gegenüber, davon mehr als 30 Milliarden als direkte Kosten im Gesundheitswesen. Es ist nur fair, dass diese über eine höhere Tabaksteuer und einen dadurch finanzierten höheren Bundeszuschuss zum Gesundheitsfonds stärker von den Rauchern getragen werden.

d) „Rauchen bald nur noch Reiche?“ Ist es nicht sozial ungerecht, dass eine höhere Tabaksteuer ärmere Menschen besonders trifft, da dort die Raucherquote besonders hoch ist und sie relativ zum Einkommen stärker belastet werden als Wohlhabendere?

Nein, im Gegenteil. Das führt zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Die Raucherquote ist unter Menschen mit niedrigerem sozialökonomischen Status deutlich höher als in Bevölkerungsgruppen mit höherem sozialökonomischen Status.

Dadurch sind sozioökonomisch schwächere Bevölkerungsgruppen deutlich häufiger von tabakbedingten Erkrankungen betroffen. Das trägt dazu bei, dass sie krankheitsbedingte Einkommensausfälle erleiden und eine niedrigere Lebenserwartung haben.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum weist daher zu Recht darauf hin, dass insbesondere Tabaksteuererhöhungen geeignet sind, die sozialen Unterschiede im Tabakkonsum zu verringern, da ärmere Bevölkerungsschichten sensibler als andere auf Preiserhöhungen reagieren.

Wenn die Raucherquote in ärmeren Bevölkerungsschichten infolge einer Tabaksteuererhöhung besonders stark sinkt, trägt dies dazu bei, dass sich Gesundheit, Lebenserwartung und Einkommenssituation der Betroffenen verbessern. Das ist ein wichtiger Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit.

Man kann nicht einerseits beklagen, dass es sozial ungerecht ist, dass sozioökonomisch schwächere Menschen gesundheitlich benachteiligt sind, und gleichzeitig an einer der wesentlichen Ursachen festhalten wollen: dem besonders weit verbreiteten Rauchen in dieser Bevölkerungsgruppe.

e) Was ist mit den Arbeitsplätzen in der Tabakindustrie? Ist die Industrie nicht ein Segen für den Wirtschaftsstandort?

Die Nachfrage nach Zigaretten und Tabak in Deutschland hat sich seit der Wiedervereinigung mehr als halbiert. Folgerichtig ist auch die Produktion von Zigaretten in Deutschland stark gesunken, was zu einem starken Abbau von Arbeitsplätzen geführt hat, da Standorte vor allem nach Osteuropa verlagert wurden.

Die letzten großen Werke hierzulande schlossen 2025 (Philip Morris, Dresden und Berlin) bzw. schließen 2027 (Reetmtsma, Langenhagen). Insgesamt wird die wirtschaftliche Bedeutung der Branche oft überschätzt, weil Tabakprodukte im Alltag sehr präsent sind. Für den Arbeitsmarkt ist die Branche inzwischen von sehr begrenzter Bedeutung mit lediglich etwa 7.000 Arbeitsplätzen (im Vergleich Autoindustrie 700.000) und weiterhin schrumpfender Tendenz.

Dem Wirtschaftsstandort Deutschland würde es wiederum stark nützen, würde es gelingen, den Tabakkonsum stark zu verringern, z.B. über höhere Tabaksteuern:

  • Weniger direkte Produktivitätsverluste – laut Studien durchschnittlich ca. 3.000 € pro rauchendem Arbeitnehmer und Jahr.
  • Die durch das Rauchen entstehenden direkten Kosten für das Gesundheitssystem betragen 30 Milliarden Euro. Dies entspricht 1,7 GKV-Beitragspunkten. Geringere Lohnnebenkosten würden die Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben deutlich verbessern.
  • Wenn man in einem ersten Schritt die Tabaksteuer verdoppelt, generiert dies 10 Milliarden Euro Mehreinnahmen für den Bundeshaushalt jährlich. Gleichzeitig sinken langfristig die Gesundheits- und Sozialkosten um 22  Milliarden Euro jährlich. Der Staat kann also signifikant mehr Mittel für Infrastruktur, Bildung oder Innovation investieren, ein direkter Standortvorteil.

3. Nichtraucherschutz

a) Ist das aktuelle Niveau des Nichtraucherschutzes nicht ausreichend?

Nein. Wir brauchen einen Nichtraucherschutz in allen zentralen Bereichen des öffentlichen Lebens. Jeder Mensch sollte umfassend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, ohne dass seine Gesundheit durch Tabakrauch gefährdet wird.

Es gibt klare Vorgaben dafür, welche Bereiche geschützt werden sollten.

Zum einen hat Deutschland sich im WHO Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs völkerrechtlich verbindlich dazu verpflichtet,

  • alle öffentlichen Innenräume,
  • alle Arbeitsplätze in Innenräumen und
  • alle öffentlichen Personenverkehrsmittel

vollständig rauchfrei zu machen, da nur eine zu 100% rauchfreie Umgebung einen wirksamen Schutz gewährleistet. Raucherräume dürfen nicht zugelassen werden.

Das bedeutet, dass in ganz Deutschland die gesamte Innengastronomie rauchfrei werden muss. Rauchergaststätten und Raucherräume darf es nicht mehr geben. Die bislang noch bestehenden Ausnahmen für Raucherräume müssen auch bei allen anderen öffentlichen Räumen abgeschafft werden:

  • Kultur- und Freizeiteinrichtungen,
  • Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen,
  • Gesundheits- und Sozialeinrichtungen,
  • Behörden, Gerichte und sonstige staatliche und kommunale Einrichtungen

müssen alle vollständig rauchfrei sein.

Das ist Priorität Nummer 1. Da ist das WHO Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs sehr klar und muss endlich umgesetzt werden. Zusätzlich brauchen wir Rauchverbote im Freien an Orten, an denen Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Dazu haben die EU-Mitgliedstaaten im Dezember 2024 mit großer Mehrheit eine Empfehlung über rauch- und aerosolfreie Umgebungen beschlossen. Danach sollen rauchfrei werden:

  • Außengastronomie,
  • Freizeiteinrichtungen, darunter Zoos, Freizeitparks, Freibäder etc.,
  • Open-Air-Events,
  • Haltestellen,
  • Schulgelände,
  • Krankenhausgelände und
  • Eingangsbereiche zu geschützten Räumen.

b) Nichtraucherschutz bedeutet Rauchverbote. Wollen wir wirklich eine Verbotspolitik? Sind Rauchverbote nicht unpopulär?

Jedes Gesetz macht Verhaltensvorgaben und verbietet Verhalten, das gegen das Gesetz verstößt. Es liegt im Wesen einer demokratischen, rechtsstaatlichen Gesellschaft, dass wir unser Zusammenleben durch Gesetze regeln. Wenn man keine „Verbotspolitik“ möchte, müsste man konsequenterweise auf Gesetzgebung verzichten. Das kann nicht richtig sein.

Rauchverbote unterscheiden sich nicht grundlegend von anderen Gesetzen. Sie sind notwendig, um die Freiheit der Nichtraucher zu schützen.

Daher sind Rauchverbote auch sehr populär. Die meisten Menschen sind Nichtraucher und schätzen rauchfreie Umgebungen. Bei der Einführung neuer Rauchverbote gibt es zwar regelmäßig lauten Protest von Seiten der Tabaklobby, ihr nahestehender Verbände und aus den Reihen der Raucher. Sie werden jedoch in aller Regel nach kurzer Zeit zu einer selbstverständlichen sozialen Norm. Schon bald möchte kaum jemand mehr zu den alten Zuständen zurück – denken Sie nur an die Zeiten, als noch in Bussen, Unibibliotheken und Kinos geraucht wurde.

Studien zeigen, dass auch unter Menschen, die der Einführung neuer gesetzlicher Regelungen zunächst ablehnend gegenüberstanden, die Zahl der Befürworter nach der Implementierung deutlich steigt.

c) Was ist mit der Eigenverantwortung der Raucher? Sind Rauchverbote nicht Bevormundung?

Freiheit und Eigenverantwortung der Raucher enden dort, wo sie Freiheit und Gesundheit von Nichtrauchern beeinträchtigen. Dort endet die Eigenverantwortung und es beginnt die Verantwortung für andere. Dass ein Verhalten untersagt wird, das andere schädigt, ist keine Bevormundung, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit in einer zivilisierten Gesellschaft sein.

Zudem ist Nikotin einer der stärksten Suchtstoffe überhaupt. Nikotin macht physisch und psychisch abhängig. Zwei von drei Menschen, die erstmals eine Zigarette rauchen, entwickeln eine Abhängigkeit. Wer süchtig ist, entscheidet nicht mehr frei.

Gleichzeitig ist der Konsum von Tabak äußerst gesundheitsgefährdend. Alle illegalen Drogen zusammen haben im Jahr 2024 in Deutschland 2.137 Menschen getötet. Die Zahl der Tabaktoten liegt hierzulande jährlich bei ungefähr 131.000 und damit 61-mal so hoch. Daher wird Tabak, wie auch andere Suchtmittel, nicht vollständig der Eigenverantwortung der Konsumenten überlassen, sondern reguliert. Die Frage ist, wie streng man bei der Regulierung sein möchte. Deutschland ist hier bislang Schlusslicht. Wir müssen hier besser werden und die Verpflichtungen aus der WHO FCTC umsetzen. Dazu gehört auch als wichtiger Baustein, dass mehr Lebensbereiche rauchfrei werden.

d) Werden Raucher durch Rauchverbote ausgegrenzt / stigmatisiert?

Nein. Raucher können weiterhin alle Orte und Veranstaltungen besuchen, an denen Rauchverbote gelten. Sie können dort nur nicht rauchen. Genauso wie sie dort andere Menschen auch nicht auf andere Weise gesundheitlich schädigen dürfen. Sie dürfen z.B. in einem Café andere Menschen auch nicht schlagen. Ebenso wenig sollten sie sie mit einem Gemisch aus hunderten giftiger Substanzen und Feinstaub einnebeln dürfen. 

Während Raucher alle Orte, an denen ein Rauchverbot gilt, weiterhin besuchen können, werden derzeit durch den mangelnden Nichtraucherschutz Nichtraucher ausgegrenzt und diskriminiert. Wer auf seine Gesundheit achtet und sich keinen Gefährdungen durch Tabakrauch aussetzen möchte, kann Orte, an denen geraucht wird, nicht aufsuchen. Das gilt besonders für vulnerable Personengruppen wie Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma oder chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, die unter Tabakrauch besonders leiden. Für diese Menschen stellt fehlender Nichtraucherschutz eine harte Barriere dar. Solche Bereiche sind für sie No-go-Areas. Sie werden aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung ausgegrenzt. Das ist ableistisch.

Nichtraucher kommen durch den fehlenden Nichtraucherschutz immer wieder in Situationen, in denen sie an wichtigen sozialen Veranstaltungen nicht teilnehmen können. Der öffentliche Raum sollte aber für alle ohne Gesundheitsgefährdung nutzbar sein. Wichtig ist dies gerade auch im ländlichen Raum. Dort gibt es in Ortschaften oftmals nur eine Gastwirtschaft, in der sich ein erheblicher Teil des sozialen Lebens abspielt. 

e) Brauchen wir wirklich gesetzliche Regelungen für den Nichtraucherschutz? Reicht nicht „gegenseitige Rücksichtnahme von Rauchern und Nichtrauchern“?

Nein. Das ist eine Floskel, die gerne verwendet wird, wenn verantwortliche Entscheidungsträger nichts für den Nichtraucherschutz tun möchten. Beim Thema „Passivrauchen“ sind die Rollen klar verteilt: Raucher beeinträchtigen Freiheit und Gesundheit der Nichtraucher. Niemand hat das Recht, andere zu schädigen. Es ist daher klar, dass Raucher Rücksicht auf die Nichtraucher zu nehmen haben, und nicht umgekehrt.

Es kann von Nichtrauchern nicht erwartet werden, dass sie Orte wie Bushaltestellen und Straßencafés meiden, wenn dort geraucht wird. Es kann auch nicht erwartet werden, dass Nichtraucher Raucher freundlich bitten, woanders zu rauchen. Das ist nicht praktikabel. Stellen Sie sich vor, Sie kommen als Nichtraucher, vielleicht als Asthmatiker oder Elternteil mit Kindern, an eine Bushaltestelle oder in ein Straßencafé, wo mehrere Raucher sind. Dann ist die Luft bereits mit Schadstoffen belastet. Wenn Sie dann auch noch mit allen Rauchern diskutieren sollen, stehen Sie währenddessen die ganze Zeit im Rauch. Zudem reagieren einige Raucher durchaus aggressiv auf eine solche Bitte. Und selbst wenn Sie alle Raucher überzeugen können, können jederzeit neue dazu kommen. Das ist kein praktikables Konzept.

Wir brauchen daher klare gesetzliche Regeln, die die zentralen Bereiche des öffentlichen Lebens rauchfrei machen. Das sorgt für klare Verhältnisse.

f) Lassen sich Rauchverbote überhaupt effektiv durchsetzen? Müsste man dafür nicht hinter jeden Raucher einen Polizisten stellen?

Rauchverbote lassen sich sehr gut und ohne großen Aufwand etablieren, wenn die Best Practices für ihre Einführung beachtet werden:

Wir brauchen klare, einheitliche Regelungen. Sie sollten für Tabak, E-Zigaretten und Cannabis gleichermaßen gelten. Es darf keine komplizierten Ausnahmetatbestände für Raucherbereiche geben. Die Regelungen sollten bundesweit einheitlich gelten. Solche Regelungen sind leicht zu kommunizieren, leicht zu merken, leicht zu beachten. Sie tragen dazu bei, das Bewusstsein der Allgemeinheit für die Gefahren des Rauchens und des Passivrauchens zu verstärken. Sie werden in der Regel bald zu weithin akzeptierten sozialen Normen. Es bedarf dann keines großen Aufwands mehr zu ihrer Durchsetzung. 

Darüber hinaus enthalten die Leitlinien zu Art. 8 WHO FCTC weitere hilfreiche Maßgaben für die Umsetzung:

  • Die Einführung sollte von groß angelegten Informationskampagnen und in der Anfangszeit von verstärkten Kontrollen begleitet werden. Dabei wird bei Verstößen zunächst nur ermahnt und nach einer Übergangszeit spürbar und ggf. öffentlichkeitswirksam sanktioniert.
  • Hausrechtsinhaber sollten verpflichtet werden, mit Schildern auf das Rauchverbot hinzuweisen, Aschenbecher zu entfernen, und das Rauchverbot im Rahmen des Hausrechts durchzusetzen.
  • Es sollten effektive Geldbußen vorgesehen werden und ggf. auch der (vorläufige) Entzug der Geschäftslizenz als letztes Mittel bei wiederholten Verstößen.

g) Ist Passivrauchen im Freien wirklich gesundheitsschädlich? Sind Rauchverbote im Freien nicht nur Symbolpolitik?

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Passivrauchen auch im Freien gesundheitsgefährdend ist. Die toxischen Bestandteile des Rauchs unterscheiden sich im Freien nicht von denen in Innenräumen. Rauch und Aerosole bilden Schwaden, die in Abhängigkeit von Windrichtung und Entfernung eine stärkere oder schwächere Konzentration erreichen. Der Rauch verflüchtigt sich zwar irgendwann. Vorher müssen ihn aber alle im Umfeld einatmen, und das zum Teil in sehr hohen Konzentrationen. Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass es keinen Grenzwert gibt, bis zu dem die Belastung mit Tabakrauch gesundheitlich unbedenklich wäre. Schon kleinste Mengen können z.B. Tumorwachstum begünstigen.

Die Belastung mit Tabakrauch im Freien kann zudem ein hohes Niveau erreichen. Studien, die die Rauchbelastung in der Außengastronomie gemessen haben, haben zum Teil höhere Konzentrationen festgestellt als in Raucherhaushalten, in denen in Innenräumen geraucht wurde.

Passivrauchen kann auch im Freien erhebliche Gesundheitsgefährdungen bewirken, insbesondere für Asthmatiker, Menschen mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, aber auch für alle anderen Betroffenen. 

Daher sind Rauchverbote im Freien keine Symbolpolitik. Ein solcher Nichtraucherschutz ist notwendig, um allen Menschen eine Teilhabe am sozialen Leben ohne Gefährdung ihrer Gesundheit zu ermöglichen. 

Messungen haben gezeigt, dass Zigaretten zehnmal mehr Feinstaub in die Luft abgeben als ein Dieselmotor. Wer würde sich in ein Straßencafé setzen, in dem am Nachbartisch 10 Dieselmotoren laufen? Wir müssen das Bewusstsein dafür stärken, dass Zigaretten die Umgebungsluft massiv mit Feinstaub und Schadstoffen belasten. Vielen Menschen steht das nicht klar vor Augen. Zum einen, weil Zigaretten relativ kleine Gegenstände sind und ihnen daher kein hohes Schadenspotenzial zugetraut wird. Zum anderen sind Zigaretten im Alltag allgegenwärtig, weil sie von der Tabakindustrie über viele Jahre mit großem Aufwand als Alltagsprodukt etabliert wurden. Wir brauchen daher starke Informations- und Sensibilisierungskampagnen, die die Einführung von Rauchverboten begleiten müssen.