Quo vadis, Gast?

23.10.2007  Die neuen Nichtrauchergesetze sind erst kurz in einigen Ländern in Kraft und bereits jetzt zeichnet sich ab, dass sie unzureichend sind: Die Wirte klagen über Umsatzeinbußen von bis zu 40 % und die Nichtraucher klagen über verqualmte Gaststuben, Raucherzimmer ohne Türen und Wirte, die sich überhaupt nicht an die gesetzlichen Vorschriften halten.

Grund für die Misere sind die zahlreichen und zum großen Teil willkürlichen Ausnahmen in den Gesetzen, die Möglichkeit zur Einrichtung von Raucherräumen –  klar, dass da keiner so recht zufrieden ist: Der Raucher, der in einen muffigen Raum muss, der Nichtraucher, der trotzdem mit dem Rauch belästigt wird, weil die Räume nicht verschlossen sind oder stetige Fluktuation für permanenten Luftaustausch mit dem Raucherraum sorgt. Die Wirte sind unzufrieden, weil Gäste fernbleiben – insbesondere kleine Betriebe leiden darunter.

Warum aber gerade die kleinen Betriebe und die „Eckkneipen“?

In Irland funktioniert es und in anderen Ländern auch: Die Rauchverbote haben insgesamt keinen Schaden im Gewerbe verursacht, sondern im Gegenteil einen Aufwärtstrend eingeläutet. In Deutschland ist das Gegenteil der Fall: Erboste Wirte aus Baden-Württemberg klagen über Einbußen von bis zu 40 % und in Hessen gehen sie sogar regelmäßig auf die Straße – so schlimm ist es.

Auch hier sind die Ausnahmen in den Gesetzen die Auslöser: Während große Betriebe leicht einen Raucherraum einrichten können und so – wenn auch mehr schlecht als recht – die Auflagen der Gesetze erfüllen, ohne Raucher vor die Tür schicken zu müssen, haben die kleinen Betriebe diese Möglichkeit oft nicht: Sie müssen zu 100 % rauchfrei sein und die Raucher vor die Tür schicken.

Und was machen Raucher, wenn sie die Möglichkeit haben auszuweichen? Sie tun es! Folglich bleiben gerade bei den kleinen Betrieben Gäste aus. Eine fatale Entwicklung mit schwerwiegenden Folgen.

Gesetzesbruch als vermeintlicher Ausweg

Wohl auch aus diesem Grund missachten einige Wirte vorsätzlich die neue Gesetzeslage und riskieren es ganz bewusst, angezeigt zu werden. Die Rechnung dabei: In den meisten Ländern ist die Strafe niedrig und die Chance einer Ahndung eher gering. Die Leidtragenden dieses Rechtsbruchs sind die ehrlichen Wirte und vor allem die Nichtraucher unter den Gästen, die trotz eindeutiger Rechtslage weiter vollgequalmt und krank gemacht werden.

Und so verwundert es kaum, dass bereits mehr als 70 Anzeigen von Gästen bei Pro Rauchfrei eingegangen sind, die auch an die zuständigen Behörden weitergeleitet worden sind. Tendenz: stark zunehmend. Es vergeht kein Tag mehr, ohne dass ein Gast oder Mitglied einen Verstoß meldet – und das bei gerade einmal 3 Bundesländern, in denen die neuen Gesetze schon gelten.

Wir werden unsere Kapazitäten sukzessive ausbauen, um die ehrlichen Wirte vor dem gesetz- und wettbewerbswidrigen Verhalten ihrer rechtsbrüchigen Konkurrenz zu schützen und die Belange der Nichtraucher zu vertreten.

Der Weg zurück ist keine Option

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband hat bereits erkannt, dass der Blick zurück keine Option ist: Siegfried Gallus, Vorsitzender des BHG, plädiert daher für die Abschaffung der Ausnahmen in Bayern, um wieder gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer zu sichern. in anderen Bundesländern ist man dagegen noch nicht so weit und wünscht sich die „guten alten Zeiten“ zurück – im Klartext heißt das: Man will die Nichtraucher wieder vor die Tür setzen und weiterhin Essen und Getränke in vergifteter Atmosphäre servieren. Man will sich weiter auf die wenigen und immer weiter schwindenden Raucher konzentrieren und Nichtraucher als Kunden weiterhin nur dulden.

Für Pro Rauchfrei ist das nicht der Weg, der dem Gastgewerbe hilft. Rauchen ist out. Immer weniger Menschen greifen zur Zigarette und immer mehr hören mit dem Rauchen auf. Nichtrauchen liegt im Trend. Der Zwang zum Mitrauchen wird zunehmend als das erkannt, was er ist: Eine Körperverletzung. Es ist nicht mehr bestreitbar, dass Tabakrauch in der Luft zu Unwohlsein, Krankheit und Tod führen kann – auch dann, wenn die davon Betroffenen nicht selbst rauchen.

Die Ausnahmen müssen weg – nur so kann weiterer Schaden vermieden werden

Es ist daher nur konsequent und war längst überfällig, dass der Gesetzgeber sich mit dem Thema befasst und das Rauchen dort verbietet, wo Dritte in ihren Rechten verletzt oder in ihrer Gesundheit geschädigt werden. Mit dieser Begründung hat man die neuen Gesetze geschaffen und erlassen. Es wäre absurd und würde jegliche Glaubwürdigkeit der Politik untergraben, die ohnehin schon schwachen Gesetze weiter abzuschwächen oder ganz außer Kraft zu setzen. Vielmehr ist das Gebot der Stunde die Beseitigung der Ausnahmen und die damit einhergehende Gleichstellung der Kleinbetriebe mit den Großbetrieben, somit also die Wiederherstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen.

Pro Rauchfrei unterstützt daher die Wirte bei ihrem Gang nach Karlsruhe, weil wir zuversichtlich sind, dass die Bundesrichter dem Schutz der Gesundheit und der Beseitigung von Wettbewerbsverzerrungen den Vorrang geben werden. Damit würden auch wieder die Raucher in ihre Stammkneipen zurückkehren und die „Eckkneipen“ würden nicht weiter durch Gesetze gebeutelt, die nicht den gewünschten Schutz der Nichtraucher gewährleisten können und die Kleinbetriebe gegenüber den Großbetrieben benachteiligen.

Kein Verständnis haben wir daher für Bestrebungen, die rückwärtsgewandt sind. Die ewig Gestrigen schaden der Gesellschaft und versuchen eine einfache Sucht unter „Artenschutz“ zu stellen – in dem Irrglauben, dass sie an wenigen Hardcore-Rauchern mehr verdienen können als an der Mehrheit der normalen Raucher, für die es kein Problem ist, vor die Tür zu gehen, und an den über 60 Millionen Nichtrauchern. Eine kaum verständliche Haltung, die nicht mehr in unsere Zeit passt.

Sollte gegen jede Erwartung, gegen die Vernunft und gegen die Glaubwürdigkeit entschieden und tatsächlich der Nichtraucherschutz wieder aufgeweicht werden, steht die EU jedoch bereits in den Startlöchern: Sie wird bald über den Arbeitsschutz den Rauch aus den Kneipen und Restaurants verbannen – endgültig. Ein Grund mehr also, der Entwicklung zuvorzukommen und aus eigener Kraft das zu schaffen, was uns ohnehin bald die EU vorgibt.

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