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Mehr Nichtraucherschutz für alle - aber wie?

05.11.2017   Praktische Hilfen für Betroffene und mehr Nichtraucherschutz für alle zu erreichen, das hatten wir uns für die Jahreshauptversammlung 2017 in Heidelberg vorgenommen. In Deutschland, einer der Nichtraucherhöllen Europas, ein nicht immer leichtes Unterfangen, auch wenn man seit einigen Monaten Verbandsklagebefugnis errungen hat. 21 Mitglieder, ein Gast und ein Gastredner nahmen an der Veranstaltung am 21. Oktober teil.

Bild von der Jahreshauptversammlung von Pro Rauchfrei 2017 in HeidelbergNach dem Vorabendtreff in einer hervorragenden Pizzeria im Stadtteil Kirchheim, wo Gelegenheit für alte und neue Mitglieder und Gäste war, sich kennenzulernen oder das Wiedersehen zu feiern, gab es auf dem Heimweg mit der Straßenbahn noch für einige von uns ein erheiterndes Intermezzo, als ausgerechnet wir um eine Zigarette angeschnorrt wurden. Das Zusammentreffen endete 0:0 – der Raucher schied ohne Zigarette, mochte aber seiner Sucht auch nicht abschwören.

Der Vormittag der Hauptversammlung, die im Kulturhaus Karlstorbahnhof stattfand, war den Berichten des Vorstands über den Stand des Vereins betreff Mitglieder, Organisation und Finanzen sowie seinen diversen Aktivitäten gewidmet. Besonderen Raum nahmen dabei unsere ersten Schritte im Unterlassungsklagebereich ein: Zwischen März und Oktober waren 10 Abmahnungen ausgesprochen, zwei Einstweilige Verfügungen vor Gericht erwirkt worden und zwei Klageverfahren in Vorbereitung. In einem Grundsatzverfahren werden die Erfordernisse bezüglich Bildwarnhinweisen an Waren­ausga­beautomaten geklärt werden. Außerdem wurde in einem Verfahren die Stadt Karlsruhe erfolgreich von Pro Rauchfrei auf Herausgabe von Informationen verklagt.

Der Vorstand und die Kassenprüfer wurden entlastet, die drei Vorstandsmitglieder Siggi Ermer (Vorsitzender), Stephan Weinberger (Stellvertreter) und Rainer Nickel (Finanzvorstand) in ihren jeweiligen Funktionen wiedergewählt. Grund zur Freude bot auch die Ernennung unseres neuen, jungen Landesleiters für Niedersachsen, der schon viele Ideen und Vorschläge mit im Gepäck hatte.

Den Nachmittag leitete unser Gastreferent Dac Sprengel, Vorsitzender des E-Zigaretten-Handelsverbandes (VdeH) ein. Er sollte Informationen zur Frage: „Tabakersatzprodukte: Ächtung oder Alternative?“ beisteuern. Könnte die E-Zigarette bei Problemen mit Rauchbelästigung im Wohnumfeld einer von mehreren Lösungsansätzen sein? Die E-Zigarette punktet hierbei mit einigen Vorteilen gegenüber der Tabakzigarette: 1. Dampf entsteht nur, wenn das Gerät eingeschaltet ist und an ihm gesogen wird. 2. Ein Großteil des Dampfes (je nach Gerät und „Rauchgewohnheit“ bis zu 100 %) wird vom Konsumenten inhaliert und verbleibt in seinem Körper. 3. Im geschlossenen Raum sinkt der Dampf langsam nach unten, sodass Nichtkonsumenten weniger belästigt werden. 4. Polypropylen und Glyzerin, die im Dampf enthalten sind, können, wenn sehr viel davon in einem Raum freigesetzt wird, den Hals austrocknen und zum Husten reizen, dem könne man aber durch Trinken entgegenwirken. Bestandteile von Liquids, in etwa: 50 % Polypropylenglykol, 30 % Glyzerin, bis zu 15 % gereinigtes Wasser, 3-5 % Aromen, 2 % Nikotin. – Unser Fazit: Auch erste Erfahrungen bestätigen, dass es für einen tabakrauchgeplagten Nachbarn eine merkliche Erleichterung bedeuten kann, wenn rauchende Nachbarn auf E-Zigarette umsteigen.

In einer großen Gesprächsrunde trugen die Teilnehmer im weiteren Verlauf zusammen, in welchen Richtungen und auf welche Weise der Nichtraucherschutz vorangetrieben werden kann. Diskutiert wurden: ein cooles Image für den Nichtraucherschutz; Maßnahmen, die Rauchfreiheit auf sogenannten „rauchfreien Bahnhöfen“ einzufordern; „Raucher nach Lee“ oder rauchfreie Zeiten für Veranstaltungen, Feste, Jahrmärkte, Einkaufszentren; Vorbereitungen für Anträge auf Tabakwerbefreiheit in Kommunen, Anti-Tabak-Werbung und eine modular aufgebaute Präsentationsmappe für Pro Rauchfrei. Arbeitsgruppen werden sich im neuen Vereinsjahr mit diesen Aufgaben befassen und Vorschläge ausarbeiten.

Wie die Lösungen aussehen könnten, werden die Mitglieder spätestens bei der nächsten Jahreshauptversammlung am 22. September 2018 in Hamburg erfahren.